Eine Zigarre im Weltraum, das wär's

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Deno vermisste seine Zigarren. Er schämte sich ein wenig dafür, aber er dachte häufiger an die Zigarren als an seine Tochter oder seine Frau. Mit dem Blick vom Raumschiff auf den Mars wünschte er sich einfach eine Zigarre und ein Glas Whisky. Eine Montechristo, ein Glenfarclas und diese Aussicht, das wär's. Aber man konnte nicht alles haben.
Heute würden sie landen. Heute wäre es soweit und sie würden die Marsheimatbasis erreichen. Er hatte den Kommandeur nicht bemerkt und erschreckte sich, als dieser das Wort ergriff: »Mach dich bereit, Deno.«
»Geht klar«, murmelte Deno und folgte ihm in den Landeraum.

Deno fühlte sich unwohl in seinem Raumanzug, der Marsch zur Basis war noch weit. Sie waren zu siebt. Sieben Männer, die wie Deno monatelanges Training ertragen mussten. Er hatte mehr als einmal aufgeben wollen, aber er wusste, dass es wichtig war, allein für die Zukunft seiner Frau und seiner Tochter.
»Kommt weiter. Wir wollen heute noch ankommen«, hörte er den Kommandeur über Funk.
Immer wieder stolperte einer der Männer und auch Deno hatte Schwierigkeiten auf dem Mars zu laufen – die veränderte Schwerkraft hatten sie zwar trainiert, aber es war natürlich etwas anderes, wenn man wirklich auf dem Planeten stand.

Sie waren schon zwei Stunden von ihrem Raumschiff entfernt, als sie die Spitze eines Marshügels erreichten und die Basis sichtbar wurde. Deno hielt kurz den Atem an, sah die gigantische Glaskuppel und konnte die dutzende Menschen darin herumwuseln sehen. Da war ein Raum in dem irgendwelches Grünzeug angebaut wurde, eine große Werkstadt, in der an irgendeinem großen Roboter gearbeitet wurde und viele weitere Bereiche.
Er hatte die Bilder gesehen, hatte schon so oft den Bauplan durchgeschaut, hunderte Male, aber jetzt war es tatsächlich real. Seit zwei Jahren war die Menschheit auf dem Mars angelangt und nach und nach wurde hier eine Kolonie aufgebaut.
Deno spürte, dass sein Herz hämmerte, und eine beruhigende Melodie spielte in seinem Helm, auch dafür hatten sie vorgesorgt. Als sein Herzschlag sich verlangsamte, hörte auch die Melodie auf.
»Wir sind bald da, es dauert nicht mehr lang!«, sagte der Kommandeur über Funk.
Sie liefen den Hügel hinunter, vorsichtig, um nicht zu stolpern, bei dieser Steigung wäre das besonders problematisch. Die Anzüge waren ja auch nicht aus Stein.
Sie liefen durch ein flaches Tal und eine Stunde später kamen sie auch endlich auf der anderen Seite an. Keine zehn Minuten später hatten auch die Menschen in der Marskuppel sie bemerkt und merklich mehr Bewegung war zu erkennen.
»Das wird ein warmes Willkommen«, sagte der Kommandeur und lachte.
Die Männer liefen schneller, auch wenn es eigentlich keine Eile gab. Es dauerte noch bestimmt eine halbe Stunde, bis sie am Glas der Kuppel standen und in die Gesichter der Menschen sahen. Entsetzen lag in den Augen. Deno öffnete schwerfällig seinen Rucksack und holte die Fahne der World First heraus, die sich auf Knopfdruck ausbreitete. Die anderen der Gruppe befestigten Sprengstoff auf dem Glas. Sie konnten die Schreie von innen nicht hören. Die letzten Gespräche, die die Menschen führten, die verzweifelten Versuche noch in einen Raumanzug zu schlüpfen, um den Tod ein bisschen hinauszuzögern.
»Wir sind fertig – lauft los Männer, Zündung ist in 20 Sekunden.«, hörte Deno über Funk.
Deno presste die Fahne weiter in den Boden. Noch ein fester Ruck und er lief los, die anderen hatten schon Abstand. Doch dann stolperte, knallte auf den Boden. »DENO STEH AUF, KOMM!«
Er versuchte sich aufzurappeln, aber rutschte immer wieder ab. Panik stieg in ihm auf.
»DENO!«, hörte er den Kommandeur noch einmal und doch dann spürte er schon die Druckwelle und wurde immer weiter vom Mars weggeschleudert. Er sah wie das Glas seinen Raumhelms einen Riss bekam und er wurde völlig ruhig.
Er hätte an seine Familie denken können, an seinen Märtyrertod, aber das einzige was er sich wünschte, war eine Zigarre.